Nietzsche-Lexikon von Christian Niemeyer

Nietzsche-Lexikon von Christian Niemeyer

Een bespreking door Paul van Tongeren van het in 2009 uitgegeven ‘Nietzsche Lexikon’. Een tijdloos document evenals de recensie zelf. Een kleine 500 pagina’s bestaande uit bijdragen van maar liefst 142 auteurs uit 21 landen.

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NIETZSCHE-LEXIKON

Während der letzten 10 Jahre sind mehrere Lexika zu Nietzsche erschienen.­­1 In 2009 wurde das Nietzsche-Lexikon dazugefügt.Dieses Buch gleicht wohl am meisten dem, was man von einem Lexikon erwarten würde: überwiegend kurze Einträge zu vielen (421) Lemmata, von denen die meisten eine wichtige Rolle spielen in Nietzsches Schriften. Das Buch wurde von Christian Niemeyer herausgegeben, der 142 Autorinnen und Autoren aus 21 Ländern zu Beiträgen gefunden hat. Unter ihnen sind die hervorragendsten Nietzsche-Spezialisten.

Als Lemmata sind sowohl wichtige Termini oder Begriffe aus Nietzsches Denken ausgewählt, wie auch die Titel seiner Werke (einschließlich manche der nicht publizierten frühen Texte). Zudem lassen sich Namen von Personen oder Orten finden, die in Werken oder im Leben Nietzsches eine wichtige Rolle spielten, als auch von Personen, auf die Nietzsche Einfluss übte.. Die Selektion von Lemmata (etwa 1 % von Nietzsches Vokabular ist vertreten) ist immer schwierig und unvermeidlich teilweise arbiträr. Der Leser findet in diesem Lexikon sehr viele der wichtigsten Nietzsche-Wörter, wie auch teilweise eher unerwartete, aber dennoch sehr wichtige Lemmata, wie z.B. ,Jünger’ (G. Shapiro) oder ‚Verantwortung’ (J. Oberthür). Dennoch überrascht die Zahl ‚Tausend’, während andere Zahlen (unter denen mir vor allem ‚Sieben’ wichtig scheint) nicht zu finden sind; und sogar merkwürdiger ist es, dass es keine Einträge zu ‚Einsamkeit’ oder ‚Freundschaft’ (oder ‚Feindschaft’) gibt, während z.B. ‚Liebe’ und ‚Prostitution’ integriert wurden. Auch ist es nicht ganz überzeugend, dass in dieser Selektion ‚Werte’ und ‚Wertschätzung’ sowie ‚Psychologie’ und ‚Psychologie der Philosophen’ als unterschiedliche Lemmata gelten. Einige Einträge sind zwar interessant, scheinen mir aber in einem Lexikon nicht am richtigen Platz. Wer wird z.B. in einem Nietzsche-Lexikon das Lemma ‚Vaterübertragung’ suchen, zu dem es aber (nebst dem Eintrag zum Lemma ‚Vater’) einen langen Artikel gibt (beide von C. Niemeyer), der vielleicht besser als Zeitschriften-Aufsatz ausgearbeitet worden wäre! Und auch nachdem man den Beitrag zu ‚Peter Petersen’ gelesen hat, leuchtet es nicht wirklich ein, warum er einen Eintrag verdient.

Nicht nur die Qualität, sondern auch das Konzept und die Länge der Beiträge, sind sehr unterschiedlich. Es wird aus den Beiträgen zur ‚Physiologie’ beziehungsweise ‚Psychologie’ nicht klar, warum der Erstgenannte keine halbe Seite braucht, der Zweite aber 9 Seiten. Man bekommt den Eindruck, dass entweder die Autoren vom Herausgeber beim Verfassen ihrer Beiträge völlig freigelassen wurden, oder dass der Herausgeber, der etwa 10 % der Einträge verfasste, sich selber nicht an die von ihm den anderen Autoren vorgeschriebene Länge gebunden hat. Aber auch weiterhin sind die Einträge ganz unterschiedlich aufgebaut. Manche Autoren verteilen ihren Beitrag über unterschiedliche Paragraphen, andere nicht; manche beschränken sich auf die Bedeutung eines Begriffs bei Nietzsche, wieder andere geben Vorgeschichte und Rezeption dazu. Das Lemma ‚Agon’ z.B. (H. Cancik) gibt sehr wertvolle Auskünfte zur antiken Bedeutung des Wettkampfes, bleibt aber in Bezug auf Nietzsches Verwendung sehr beschränkt und gibt zudem lediglich als neuesten Literaturhinweis einen Aufsatz aus 1974 an, ohne die neueren (namentlich englisch-sprachigen) Diskussionen zum Thema in Nietzsches Denken auch nur zu erwähnen. Im Lemma ‚amor fati’ dagegen (P. Groff) wird Nietzsches Verwendung ausführlich dokumentiert, während  man aber kaum etwas über mögliche Quellen findet. Manche Beiträge sind geschrieben von Spezialisten, die hier knapp zu¬sammenfassen, was sie in Monographien breiter ausgeführt haben (z.B. A. U. Sommer zum ‚Antichrist’, W. Stegmaier zur ‚Genealogie der Moral’, M. C. Fornari zu ‚Spencer’). Bisweilen aber sieht man auch, dass die Autoren die Literatur zur Sache schon eine Zeit lang nicht richtig verfolgt haben (z.B. im Artikel ‚Kierkegaard’ von G.-G. Grau wird keine der neueren Publikationen zum Verhältnis Nietzsche-Kierkegaard erwähnt). Zu einigen Stichwörtern gibt das Lexikon vor allem eine knappe (und oft sehr gute) Darstellung der wichtigsten Texte Nietzsches zur Sache (z.B. W. Jordan zu ‚Natur’), zu anderen findet man eher eine (allerdings sehr interessante) Zusammenfassung der Diskussion in der Sekundärliteratur (z.B. J. Dellinger zu ‚Perspektivismus’). Während manche Autoren ihren Text gut dokumentieren, damit der Leser sich weiter orientieren kann anhand der angegebenen Literatur, beschränken sich andere Autoren auf ganz allgemeine Literaturhinweise am Ende ihres Artikels. Diese Unterschiedlichkeit der Einträge führt dazu, dass das Nietzsche-Lexikon ein sehr breites Publikum in unterschiedlicher Weise bedienen kann: manche Artikel sind nützlich für interessierte ‚Laien’ und Studienanfänger, andere dürften hilfreich sein für fortgeschrittene Nietzsche-Forscher.

Leider gibt es weder ein Inhaltsverzeichnis, noch ein Register von Wörtern, die, obwohl sie keinen eigenen Eintrag bekommen haben, in anderen Lemmata mit behandelt wurden. Das hätte den Lesern helfen können, schneller einen Überblick der Lemmata zu bekommen, und hätte so das viele Wertvolle, das in diesem Lexikon geboten wird, noch besser zugänglich machen können.

Paul van Tongeren (Nijmegen Nl.)

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[1] Henning OTTMANN (Hrsg.), Nietzsche-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart/Weimar 2000 (xiii + 561 S) wurde besprochen in den Nietzsche-Studien 30 (2001) S. 493. Der erste Band des Nietzsche-Wörterbuchs (Abbreviatur-einfach. Hrsg. von P. VAN TONGEREN, G. SCHANK, H. SIEMENS, Berlin 2004, xxxii + 763 S) wurde besprochen in den Nietzsche-Studien 35(2006), S. 309-311. Abgesehen von diesen beiden wichtigsten Beispielen gab es noch verschiedene andere lexikonartige Bucherscheinungen, wie: Carol DIETHE, Historical Dictionary of Nietzscheanism (Historical Dictionaries of Religions, Philosophies and Movements No. 21) Lanham/London 1999 (xvii + 265 S.). Dieses Buch gibt, abgesehen von Einleitung und Bibliographie, mehr als 500 Lemmata auf knapp 200 Seiten. Selektion der Lemmata sowie die Einträge und die Bibliographie scheinen alle ziemlich arbiträr. Bernhard H.F. TAURECK, Nietzsche-ABC Leipzig 1999 (256 S.). Dieses Buch umfasst in etwa 200 Einträge, die immer sehr gut lesbare, aber oft sehr eigensinnige oder idiosynkratische Gedanken des Autors zu den Lemmata wiedergeben, wie man sie in einem (Nietzsche-)Lexikon kaum erwarten würde: „Dies Buch“, „Globalisierung“, „Glück im Gesicht“, „Lenin“, „Nietzsche langweilig“ oder „Wie wahnsinnig war Nietzsche zwischen 1889 und 1900?“; Joh. Prossliner (Hrsg), Licht wird alles, was ich fasse. Das Lexikon der Nietzsche-Zitate (München 2000, 415 S.) wurde besprochen in den Nietzsche-Studien 30(2001) S. 493f. Informationen (obwohl nicht vollständig und nicht immer richtig) zu Nietzsches Verwandten, Bekannten, Freunden und Korrespondenten, findet man in: Hauke REICH, Nietzsche-Zeitgenossenlexikon. Verwandte und Vorfahren, Freunde und Feinde, Verehrer und Kritiker von Friedrich Nietzsche (Beiträge zu Friedrich Nietzsche Bd. 7) Basel 2004 (248 S).

[2] Christian NIEMEYER (Hrsg.), Nietzsche-Lexikon. Darmstadt 2009; 472 S.).

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